VdW Die Wohnungswirtschaft Bayern
EmpCo-Richtlinie · Neue Regeln für Umweltwerbung

Ein Wort. Zwei von drei Beanstandungen.

Am 27. September 2026 treten die verschärften Regeln für Umweltaussagen in Kraft. Der VdW Bayern hat vorab geprüft, wie seine Mitgliedsunternehmen aufgestellt sind: 301 Websites, 12.835 Fundstellen, dazu eine Stichprobe in Instagram und LinkedIn. Von den 1.335 kritischen Fundstellen gehen 904 auf ein einziges Wort zurück.

bis zum Stichtag am 27. September 2026

Das Ergebnis

Wir haben nachgesehen, statt zu schätzen.

Der VdW Bayern hat die Websites aller Mitgliedsunternehmen mit eigener Internetpräsenz systematisch auf Umweltaussagen geprüft. Nicht stichprobenartig, sondern vollständig.

12.835
geprüfte Fundstellen
auf 301 Mitgliedswebsites
1.335
davon kritisch
nach Abzug erkennbarer Fehltreffer
67,7 %
gehen auf ein Wort zurück
„nachhaltig“ ohne jeden Beleg
96,5 %
deckt eine Liste ab
zehn Begriffsfamilien genügen

Es sind nicht hunderte verschiedene Probleme. Es sind zehn Wörter.

Wer diese zehn Begriffsfamilien in seiner Außenkommunikation durch belegbare Kennwerte ersetzt, beseitigt 96,5 Prozent des Risikos. Eine neue Website braucht dafür niemand.

Die zehn Wörter

Diese Begriffe lösen 96,5 Prozent aller Beanstandungen aus.

Anteil an den kritischen Fundstellen. Ein Satz kann mehrere Begriffe enthalten, deshalb übersteigt die Summe 100 Prozent.

  1. 1 nachhaltig 67,7 % K1 Das eine Wort. Zwei von drei Beanstandungen gehen allein darauf zurück.
  2. 2 ökologisch 12,5 % K1 Lässt vollständig offen, worauf sich die Umweltleistung bezieht.
  3. 3 klimaneutral 8,5 % K2/K3 Auf Kompensationsbasis künftig generell unzulässig.
  4. 4 umweltfreundlich 6,9 % K1 Im Gesetzestext ausdrücklich als unzulässiges Beispiel genannt.
  5. 5 klimafreundlich 5,2 % K1 Wertendes Adjektiv ohne jede Bezugsgröße.
  6. 6 energieeffizient 4,3 % K1 Zulässig, sobald ein Kennwert danebensteht. Sonst nicht.
  7. 7 bis 20XX 3,7 % K3 Zieljahr ohne veröffentlichten Umsetzungsplan.
  8. 8 ressourcenschonend 3,6 % K1 Ohne Anteilsangabe nicht nachprüfbar.
  9. 9 zukunftsfähig 2,8 % K1 Verstärkt den Umweltbezug, liefert selbst keinen.
  10. 10 grün 2,6 % K1 Im Gesetzestext ebenfalls ausdrücklich genannt.

Statt / Besser

Sechs Sätze, die Sie heute ändern können.

Alle Beispiele sind frei formulierte Musterformulierungen, keine Zitate. Sie zeigen den Typ der Aussage, nicht ihre Herkunft.

Der Allrounder

Statt

Wir schaffen nachhaltigen Wohnraum für die Menschen in unserer Region.

Besser

Alle Neubauten seit 2022 erreichen den Standard KfW-Effizienzhaus 40. Die Wärme kommt zu 100 Prozent aus dem Fernwärmenetz.

Aus einem Adjektiv wird eine Zahl. Die Aussage wird nachprüfbar und bleibt werblich.

Das Zieljahr

Statt

Unser Ziel: ein klimaneutraler Wohnungsbestand bis 2045.

Besser

Unser Transformationspfad sieht bis 2045 einen klimaneutralen Bestand vor. Zwischenziele, Investitionsvolumen und Prüfinstanz finden Sie hier: [Link auf den veröffentlichten Plan]

Das Ziel darf bleiben. Es braucht nur den öffentlich einsehbaren Plan daneben.

Das Projekt

Statt

Ein ökologisches Vorzeigeprojekt mitten im Quartier.

Besser

Holzrahmenbauweise, begrünte Dächer auf allen Gebäuden, 1.200 Quadratmeter Ausgleichsfläche.

Drei konkrete Merkmale wirken stärker als ein Superlativ und sind belegbar.

Die Technik

Statt

Besonders effizient und umweltschonend durch Kraft-Wärme-Kopplung.

Besser

Die Kraft-Wärme-Kopplung senkt den Primärenergiebedarf gegenüber der Vorversorgung um 34 Prozent.

Der Vergleichsmaßstab macht den Unterschied. Ohne ihn ist „effizient“ bedeutungslos.

Der Wert

Statt

Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil unserer Unternehmensstrategie.

Besser

Wir sanieren jährlich 2,5 Prozent unseres Bestands energetisch. Die Quote veröffentlichen wir im Geschäftsbericht.

Haltung lässt sich zeigen, statt sie zu behaupten.

Der Doppelsinn

Statt

Seit Jahrzehnten stehen wir für sozialen und nachhaltigen Wohnraum.

Besser

Seit Jahrzehnten stehen wir für sozialen und dauerhaft bezahlbaren Wohnraum.

In der Wohnungswirtschaft ist „nachhaltig“ oft sozial gemeint. Gelesen wird es als Umweltaussage. Ein Wort tauschen genügt.

Instagram und LinkedIn

In Social Media ist die Fläche klein. Und genau da konzentriert.

Die zweite Prüfung galt den sozialen Netzwerken. Auch hier ist die Lage entspannter als erwartet, hat aber einen Haken.

24 %
der auffälligen Unternehmen
führen überhaupt Instagram oder LinkedIn
48 %
der Beanstandungen
entfallen genau auf diese Unternehmen

Die Angriffsfläche in Social Media ist klein. Sie liegt aber ausgerechnet bei den Unternehmen, deren Website schon am meisten Beanstandungen hatte.

Ein Satz, vier Kanäle

Der Claim aus dem Website-Footer steht wortgleich in der Instagram-Bio, im LinkedIn-Slogan und in der LinkedIn-Übersicht. Wer nur die Website korrigiert, lässt drei Viertel stehen.

Der Hashtag zählt mit

„#Nachhaltigkeit“ unter einem Beitrag ist rechtlich eine allgemeine Umweltaussage. Ohne Kontext, ohne Beleg. Ein Muster, das es auf Websites gar nicht gibt.

Zieljahr im Slogan

Ein Klimaziel im LinkedIn-Slogan ist besonders heikel: Für den erforderlichen Verweis auf den Umsetzungsplan ist dort schlicht kein Platz.

Die stillen Felder

LinkedIn-Spezialgebiete und Commitment werden einmal befüllt und nie wieder angesehen. Ausgespielt werden sie trotzdem.

Grüne Bildsprache

Bewertet wird der Gesamteindruck aus Text, Bild, Emoji und Hashtag. Ein grünes Herz neben „nachhaltig“ verstärkt die Umweltaussage.

Archive bleiben abrufbar

Ein Beitrag von 2024 ist auch nach dem Stichtag weiterhin geschäftliche Kommunikation. Die Bestände sind mitzuprüfen.

Rechtlicher Rahmen

Was ab dem 27. September 2026 gilt.

Die EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825 ist über eine Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb in deutsches Recht umgesetzt. Fünf Tatbestände sind für die Wohnungswirtschaft einschlägig.

VorschriftKurzInhaltKategorie
Nr. 4aAllgemeine Umweltaussagen„Umweltfreundlich“, „grün“ und Vergleichbares sind unzulässig, wenn keine anerkannte hervorragende Umweltleistung nachgewiesen werden kann.K1
Nr. 4bTeil statt GanzesEine Umweltaussage darf nicht auf das ganze Produkt bezogen werden, wenn sie nur einen Teilaspekt betrifft.K5
Nr. 4cNeutralität durch KompensationNeutralitäts- und Verbesserungsaussagen, die auf Kompensation von Treibhausgasemissionen beruhen, sind unzulässig.K2
Nr. 2aSelbst erstellte SiegelNachhaltigkeitssiegel ohne Zertifizierungssystem oder staatliche Anerkennung sind unzulässig.K4
§ 5Künftige UmweltleistungZukunftsaussagen setzen klar definierte, öffentlich einsehbare und überprüfbare Verpflichtungen in einem detaillierten Umsetzungsplan voraus.K3

Nummern beziehen sich auf die Anlage zu § 3 Absatz 3 UWG. Für Aussagen über die künftige Umweltleistung gilt § 5 UWG in der neuen Fassung.

Was jetzt zu tun ist

Sechs Schritte. Die ersten drei erledigen neun von zehn Fällen.

  1. 01

    Ein Wort suchen

    Volltextsuche nach „nachhaltig“ auf der Website, in Geschäftsberichten und PDF-Dokumenten. Jede Fundstelle streichen oder mit einem Kennwert unterlegen.

    rund 68 % der Fälleein Vormittag
  2. 02

    Vier weitere suchen

    Dieselbe Suche für „ökologisch“, „umweltfreundlich“, „klimafreundlich“ und „grün“.

    weitere rund 25 %eine Stunde
  3. 03

    Zieljahre prüfen

    Gibt es zu jeder Klimaneutralitäts- und Zieljahr-Aussage einen öffentlich einsehbaren, terminierten Plan? Wenn nein: Aussage entfernen.

    rund 12 %ein Tag
  4. 04

    Zuerst den Footer

    Seitenweit ausgespielte Claims in Footer, Slogan und Meta-Beschreibung zuerst korrigieren. Ein Satz dort erzeugt schnell dreistellig viele Fundstellen.

    größter HebelMinuten
  5. 05

    Social Media mitziehen

    Instagram-Bio, LinkedIn-Slogan, LinkedIn-Übersicht, Spezialgebiete, Commitment und die Hashtag-Sets. Es ist derselbe Text.

    schließt die Lückeunter einer Stunde
  6. 06

    Regel verankern

    Jede Umweltaussage braucht künftig eine von drei Stützen: eine Zahl mit Bezugsgröße, ein anerkanntes Zertifikat, oder einen Verweis auf einen öffentlichen Plan.

    dauerhafteinmalig

Die Grundregel

Jede Umweltaussage braucht eine von drei Stützen.

Eine Zahlmit Bezugsgröße und Vergleichsmaßstab
Ein Zertifikataus einem anerkannten Zertifizierungssystem
Ein Planöffentlich einsehbar, terminiert, überprüfbar

Adjektive ohne eine dieser drei Stützen gehören ersatzlos gestrichen.

Methodik und Transparenz

Wie diese Zahlen entstanden sind.

Datengrundlage

Automatisiert unterstützte technische Vorprüfung von 301 Mitgliedswebsites mit eigener Internetpräsenz. 12.835 Fundstellen, davon 1.429 als kritisch eingestuft.

Bereinigung

94 Fundstellen wurden entfernt, weil sie Inhalte Dritter betrafen, etwa Werbetexte externer Dienstleister oder fremdsprachige Fragmente. Ausgewertet wurden 1.335 Fundstellen.

Musterbildung

Jede Fundstelle wurde auf zwölf Auslösebegriff-Familien geprüft. Mehrfachzuordnung ist zugelassen, weil ein Satz mehrere Begriffe enthalten kann. Die Summe der Anteile übersteigt deshalb 100 Prozent.

Social Media

Präsenz-Inventur aller auffälligen Unternehmen über die von ihnen selbst verlinkten Profile, ergänzt um eine manuelle Stichprobe von 18 Profilen. Ein maschineller Vollscan ist bei Instagram und LinkedIn technisch ausgeschlossen und mit deren Nutzungsbedingungen nicht vereinbar.

Anonymisierung

Diese Seite nennt keine Unternehmen, keine Profile, keine Orte und keine Einzelkennzahlen. Alle Beispieltexte sind frei formulierte Musterformulierungen, keine Zitate. Einzelfallwerte sind gerundet.

Rechtlicher Hinweis

Die Auswertung ist eine technische Vorprüfung und ersetzt keine Rechtsberatung. Die verbindliche rechtliche Einschätzung erfolgt durch das Justiziariat des VdW Bayern.

Ihr eigener Befund

Wissen, wo Ihre Website steht.

Diese Auswertung zeigt das Bild der Branche. Den Blick auf das eigene Unternehmen liefert der KI-generierte EmpCo-Scan-Report: Ihre Website, geprüft nach denselben Mustern wie in dieser Auswertung, mit Empfehlungen zu jeder kritischen Fundstelle.

So fordern Sie Ihren Report an

Schreiben Sie eine E-Mail mit der Adresse Ihrer Website an digisol@vdwbayern.de. Der Report kostet 200 Euro.

Der Report ist keine Rechtsberatung, sondern eine KI-gestützte Analyse, die Anhaltspunkte für die Überarbeitung liefert.